Zum Tod von Prof. Dr. Wulf Herzogenrath (1944–2026)
Bevor Wulf Herzogenrath im Alter von 28 Jahren die Leitung des Kölnischen Kunstvereins übernahm, war er dem Museum Folkwang zwei Jahre lang als Geschäftsführer des Kunstring Folkwang verbunden. In dieser Zeit hat Herzogenrath wichtige Impulse gesetzt: Er initiierte 1971 die Reihe Selbstdarstellung, zu der er bis Ende 1972 fünfzehn zeitgenössische Kunstschaffende einlud, um ihr Werk in einem Vortrag oder einem Gespräch zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Der Sammelband, in dem Herzogenrath 1973 die Vorträge und Gesprächsprotokolle publizierte, gibt bis heute aufschlussreiche Einblicke in die Kunstszene und die Debatten der frühen 1970er Jahre. Neben Künstlern wie Joseph Beuys, Günther Uecker, Heinz Mack oder Timm Ullrichs gewährten auch der Architekt Frei Otto oder die Komponisten Mauricio Kagel und Karlheinz Stockhausen tiefe Einblicke in ihr Schaffen.
Wulf Herzogenrath etablierte zudem die bis heute bestehende Praxis des Kunstring Folkwang, Editionen von zeitgenössischen Künstlern herauszugeben. Die Editionen ebenso wie die Gesprächsreihe Selbstdarstellung zeugen von Herzogenraths Anliegen, die Kluft zwischen Kunstschaffenden und Publikum zu verringern und insbesondere um Verständnis für die Kunst der Gegenwart zu werben. Auch an den weiteren Stationen seines beruflichen Lebens blieb dies eine wichtige Richtschnur seines Handelns.
Aus Verbundenheit zum Kunstring Folkwang als früher Stätte seines Wirkens nahm Wulf Herzogenrath im Jahr 2021 an den Feierlichkeiten zum 120-jährigen Bestehen des Kunstring Folkwang teil. Seinen Festvortrag hielt Herzogenrath im Karl Ernst Osthaus Saal – dort, wo er ein halbes Jahrhundert zuvor die Reihe Selbstdarstellung veranstaltet hatte.
Dr. Tobias Burg
Kurator Grafische Sammlung Museum Folkwang
Bild: NRZ vom 24. Juni 1972